Ihr seid Vorbilder!

Kinder und Jugendliche brauchen Vorbilder, die ihnen bestimmte Verhaltensweisen vorleben. So spielen neben der fachlichen Eignung auch menschliche Eigenschaften von Jugendwarten und Betreuern eine große Rolle. Wir nennen konkrete Beispiele.

Ein Vorbild ist eine Person, an der sich andere Menschen orientieren. Zum Teil übernehmen sie deren Denk- und Verhaltensweisen. Dies gilt vor allem für Kinder und Jugendliche. Oft identifizieren sie sich mit diesen Personen oder bewundern sie. Ihre ersten Vorbilder sind Eltern und Geschwister. Im Laufe ihrer weiteren Entwicklung ändert sich das zunehmend. Andere Faktoren und andere Personen gewinnen mehr und mehr an Einfluss. Vor allem in der Pubertät suchen sich Jugendliche andere Vorbilder als die Eltern. Dieser Prozess dient auch der Selbstfindung. Junge Menschen versuchen, ihre Schwächen und ihr eventuell fehlendes Selbstbewusstsein durch die Nachahmung von Vorbildern zu kompensieren.

Jedem Betreuer muss bewusst sein, dass er zum Vorbild werden kann – gewollt oder ungewollt. Die möglichen Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf das Werteverständnis und das Sozialverhalten und damit auf den Charakter der jungen Menschen darf niemals unterschätzt werden. Wichtig ist ein selbstkritisches Hinterfragen der eigenen Verhaltensweisen und der damit verbundenen Auswirkungen auf andere Personen.

Dinge, die Vorbilder ausmachen

1.Verantwortung und Vertrauen

Gerade junge Menschen, auf dem Fußballplatz, im Lehrbetrieb oder in der Jugendfeuerwehr wachsen an ihren Aufgaben und brauchen das Vertrauen ihrer Ausbilder. Bei diesem gemeinsamen Weg gehört es auch dazu, die Jugendlichen zu eigenen Lösungen zu animieren und Freiräume für Experimente zu schaffen. Ein Ziel vor Augen haben motiviert ungemein, oftmals zählen hierbei die kleinen Ziele viel mehr. Gemeinsam das große Ganze zu verfolgen und als junger Mensch Teil des Erfolgs zu sein – wie auch immer dieser aussehen mag – fördert den Zusammenhalt und vermittelt allen ein gutes Gefühl.

2. Respektvolle Behandlung

Bei erfolgreicher Jugendarbeit ist es entscheidend, alle Beteiligten für das gemeinsame Ziel zu gewinnen und respektvoll miteinander umzugehen. Das gilt noch mehr bei Misserfolgen. Bei Fehlverhalten bedarf es aber auch klarer Worte, wobei das „Wie“ dabei entscheidend ist – Der Ton macht die Musik. Die Jugendarbeit in den Feuerwehren endet nicht mit der Verabschiedung der Jugendlichen vom Übungsdienst oder der Gruppenstunde einmal die Woche. Jeder Betreuer und Jugendwart muss sich im Klaren darüber sein, dass auch in der Freizeit ein angemessenes Verhalten Voraussetzung ist. Man hört als Betreuer in der Jugendarbeit eben nie auf, Vorbild zu sein. Gerade in Bezug auf den Umgang mit anderen Menschen, Alkohol und Drogen, Zigaretten oder der persönlichen Einstellung zu verschiedenen kritischen Themen.

3. Informationen vermitteln und loben

Das Verständnis für Zusammenhänge von Jugendlichen gerade in der Feuerwehr kann immer nur so gut sein, wie es ihnen vermittelt wird. Es gilt das Prinzip: Vom Einfachen zum Schwierigen, erklären, vormachen, üben lassen, eventuell eingreifen und korrigieren. Dabei konstruktive Vorschläge zur Verbesserung geben und zum erneuten Üben anspornen. So führt man junge Menschen an Neues heran und gibt ihnen Selbstvertrauen. Wichtig ist immer, die Jugendlichen auch bei ihren Tätigkeiten zu unterstützen. Der Wunsch etwas Besonderes zu erreichen, stolz auf seine eigene Leistung zu sein und Beachtung zu finden, sind enorm große Motivatoren. Ein ehrlich gemeintes und verdientes Lob spornt nicht nur den Einzelnen an, sondern auch die anderen Teammitglieder. Mit gemeinsamen Aktivitäten Spaß haben und herzhaftes Lachen – auch mal über sich selbst – müssen auf jeden Fall sein.

4. Toleranz vorleben

Gemeinsam Spaß haben ist die eine Sache. Hinzu kommt, dass bestimmte Umgangsformen und Verhaltensweisen für jeden in der (Jugend-)Feuerwehr verpflichtend sein müssen. Diskriminierung, Hass und Ausgrenzung haben in der Feuerwehr nichts verloren. Auch hier gilt es, seine Schützlinge aufmerksam zu beobachten und im Zweifel einzugreifen. Natürlich bedeutet dies, dass Jugendwarte die Toleranz und Offenheit selbst vorleben.

Jugend_Bespiel

KJF-Zeltlager 2017

Zusammenhalt

Zusammenhalt

Zusammen üben

 

 

 

 

 

 

 

Nun werden wir konkret. Von ganz einfachen, scheinbar banalen Hinweisen, bis hin zu dringenden Aufrufen. Wie sieht die perfekte Jugendfeuerwehr aus?
1. Uniform

Mit dem Tragen der Uniform beziehungsweise dem Übungsanzug repräsentiert ihr die (Jugend-)Feuerwehr nach innen und außen. Achtet darauf, dass die Uniform und die Schuhe sauber sind und keine Knöpfe fehlen. Tragt die Uniform korrekt, das heißt zum Beispiel, dass das Hemd nicht über der Hose getragen wird und keine Uniformteile fehlen.

2. Alkohol und Drogen

Ein betrunkener Feuerwehrangehöriger ist nun wahrlich kein Vorbild für die Jugendlichen. Aber auch das Prahlen mit feucht fröhlichen Trinkgelagen oder selbst Sprüche, wie „Jetzt brauch’ ich ein Bier“, stellen den Genuss dieser Drogen als höchst erstrebenswert dar. In Anwesenheit der minderjährigen Jugendfeuerwehrmitglieder solltet Ihr auf Alkohol ganz verzichten. Vielleicht lässt es sich auch einrichten, die Zigarette nicht unbedingt vor den Kids zu rauchen.

Übrigens ist Suchtvorbeugung nicht nur etwas für Experten. Jeder, der mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, kann sich für dieses Ziel einsetzen und suchtvorbeugend wirken.

3. Gesundes Bewusstsein

Auch in Punkto Ernährung kann der Jugendfeuerwehrwart ein Vorbild sein. Es müssen nicht immer die Kalorienbomben Pommes und Cola aus dem Schnellrestaurant sein, mit denen man die Jugendlichen nach einer gelungenen Übung „belohnt“. Auch bei der Auswahl der Getränke und Snacks im Feuerwehrhaus solltet Ihr auf gesunde Produkte achten. Achtet bei der Feuerwehr und Euren Aktivitäten auf Mülltrennung. Denkt auch bei Freizeitfahrten und Zeltlagern an die standesgemäße Entsorgung.

4. Sprache

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, heißt ein altes Sprichwort. In der Gemeinschaft der Jugendfeuerwehr sollte ein respektvolles und höfliches Miteinander selbstverständlich sein. Das spiegelt sich auch in der Kommunikation wieder. Schimpfwörter, Beleidigungen und Mobbing haben hier nichts zu suchen. Jugendwarte bekommen auch keinen Sonderstatus. Besondere Vorsicht ist dann geboten, wenn man einzelne Jugendfeuerwehrmitglieder vor der Gruppe auf Fehler aufmerksam macht oder sogar rügt. Kritik muss sachlich bleiben und Ansporn geben, es besser zu machen. Sie darf nie beleidigend sein.

5. Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit

Ehrlichkeit gegenüber den Mitmenschen ist eine besondere Eigenschaft. Dazu gehört auch, dass Ihr als Betreuer und Jugendwarte Fehler zugebt und kritikfähig seid. Alle Drei sind wichtige Werte, die für die Feuerwehr stehen und von Jugendfeuerwehrmitgliedern erwartet werden. Sicher ist es schwer, im arbeitsintensiven Ehrenamt, alle Termine pünktlich wahrzunehmen und allen Anforderungen gerecht zu werden. Aber auch hier darf man sich in einer Führungsposition nicht ausnehmen.

 

Text: Matthias Heck in Anlehnung an Sabrina Reitz und Angelika Haupenthal, (Redaktion Lauffeuer)

Bilder: Matthias Heck